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Tobias’ Blog

 Menlo, mein neuer Quellcodefont?

21.10.2011, Keine Kommentare

Seit Jahren nutze ich ProFont zum Schreiben meiner PHP-, HTML-, CSS-Dateien usw. Mein Auge hat sich so an diesen Font gewöhnt, dass ich ihn auch im E-Mail-Client verwende. Nun hat sich, und zwar ganz unbemerkt, ein möglicher Konkurrent auf meine Festplatte geschlichen…

Zunächst möchte ich aber noch begründen, warum ich ProFont so gerne verwende:
Wenn ich arbeite, sehe ich gerne den Code. Viel Code. Das ist übrigens ein Grund, warum ich den vielgelobten IDE nicht viel abgewinnen kann: Zumindest in ihrer Default-Einstellungen pflastern sie den Bildschirm mit Leisten, Buttons und Panels zu – ja, ich weiß, das kann man ändern – und lassen irgendwo in der Mitte nur noch ein winziges Gucklock für den eigentlich Code übrig…

Wie auch immer: Wenn man viel Code sehen will, braucht man eine geringe Schriftgröße, und trotzdem muss die Schrift lesbar bleiben. Darüber hinaus ist es sehr hilfreich, auf dem ersten Blick zwischen l, I und 1 sowie zwischen O und 0 unterscheiden zu können. All das bietet ProFont, wenn man die Bitmap-Versionen (die in den Größen 7, 9, 10, 12, 14, 18 und 24 Punkten vorliegen) verwendet und dafür sorgt, dass diese nicht per Anti-Aliasing geglättet werden.
In diesem Fall ist ProFont meiner Meinung nach der nahezu perfekte Font für Programmierer.

Leider gelten Bitmap-Fonts heutzutage ja als veraltet – viele Programme unterstützen sie nicht einmal mehr, und ich würde mich nicht wundern, wenn sie unter einer zukünftigen Version von Mac OS X gar nicht mehr zu verwenden sind. Darum habe ich immer mal wieder nach vernünftigen TrueType-Fonts, die für Programmierer geeignet sind, Ausschau gehalten. Und da gibt es ja auch einige durchaus brauchbare, dennoch bin ich immer wieder zu ProFont zurückgekehrt.
Trotzdem muss ich zugeben: Sowohl eingeschränkte Zeichensatz von ProFont (wie früher üblich, enthält er nur 255 Zeichen), als auch die Tatsache, dass er nicht ohne Qualitätsverlust frei skalierbar ist, waren immer ein wenig ärgerlich…

Mit Mac OS X 10.6 (auch SnowLeopard genannt) haben Apple aber einen neuen Monospace-Font beigelegt. Hab ich nur nie gemerkt, obwohl ich SnowLeopard seit etlichen Monden im Einsatz habe – erst als ich zufällig im Web über einen entsprechenden Hinweis gestolpert bin (genauer gesagt, über einen Blog-Eintrag von Jon Shea), habe ich mal nachgeguckt; und richtig, da war er: Menlo.

Menlo basiert auf der Bitstream Vera und dessen Abkömmling DejaVu, Apple haben einige kleine Änderungen vorgenommen (vermutlich, um das Rendering unter der Quartz Engine zu verbessern). Und tatsächlich, auf den von Jon Shea mitgelieferten Screenshots empfand ich Menlo als überaus lesbar – hatte ich endlich den TrueType-Font gefunden, der meinen geliebten, wenn auch hoffnungslos veralteten ProFont ersetzen könnte?

Also habe ich direkt mal meinen bevorzugten Texteditor TextMate gestartet und dort statt meiner üblichen Einstellung (ProFont 9pt, ohne Anti-Aliasing) die Menlo in 10pt mit aktiviertem Anti-Aliasing gewählt…

  

Codeauszüge: PHP Markdown von Michel Fortin

Auf den ersten Blick stelle ich fest: In beiden Schriften passen genau gleich viele Zeilen ins Fenster. Sehr gut.
Menlo läuft etwas weiter – es passen in der Beite etwas weniger Zeichen ins Fenster, bevor der »Soft Wrap« erfolgt. Der Unterschied ist aber so geringfügig, dass er zu vernachlässigen ist. Also weiter zum wichtigsten Punkt:

Die Lesbarkeit.
Da finde ich ProFont doch immer noch lesbarer als Menlo. Aber, so habe ich mich gefragt, vielleicht liegt das ja nur an meiner Gewöhnung? – Schließlich benutze ich seit Jahren nichts anderes als ProFont und habe (wie man im eingangs verlinkten Dokument nachlesen kann) schon mal großen Aufwand getrieben, um ihn auch unter Windows nutzen zu können. Und doch… irgendwas ist… komisch…

Und da fiel es mir auf: Menlo war gar nicht soo gut lesbar wie in den Beispielen von Jon Shea. Er ähnelte, gerade in Bezug auf das Anti-Aliasing, bei viel mehr seinem Vorfahren, der DejaVu Sans Mono. Wie war das nur möglich?

Nach einigem Rumprobieren bin ich dann drauf gekommen: Mr. Shea hat seine Screenshots offensichtlich in XCode angefertigt. Denn wenn ich dort Menlo benutze, sieht sie auch bei mir so aus wie bei ihm. Nicht nur, dass ich in TextMate die Schriftgröße 11.2 Punkt einstellen muss, damit der Font genau so groß ist wie in XCode mit 11 Punkt. Vor allem bekomme ich in TextMate eben ein viel »verwascheneres« Anti-Aliasing als in XCode…

            

Vergleich Anti-Aliasing der Menlo in TextMate und XCode

Zum Vergleich habe ich noch schnell TextWrangler hinzugezogen: Dort zeigt sich das gleiche Bild wie in TextMate, Apples TextEdit wiederum entspricht der Darstellung von XCode.
Lustig.
Haben Apple irgendwelche fiesen Tricks eingebaut, die optimales Anti-Aliasing nur in Apples eigenen Programmen ermöglicht?

So, und was ist jetzt mein Fazit? Habe ich einen neuen Font zum Programmieren gefunden?
Nein, derzeit noch nicht. Ab und zu schalte ich mal auf Menlo um und er gefällt mir relativ gut. Aber je konzentrierter ich Arbeiten muss, desto eher greife ich wieder auf ProFont zurück…
Da wünsche ich mir doch eine Funktion zurück, die mein ehemaliger Favorit unter den Texteditoren, ein Programm namens Pepper (der vom Markt und aus dem Web verschwunden ist) zu bieten hatte: Dort konnte man nämlich zwei bevorzugte Fonts (samt Größe) einstellen, zwischen denen man dann per Mausklick hin- und herschalten konnte. Das könnte ich nun gut gebrauchen – vielleicht könnte ich mich auf diese Weise eher an Menlo gewöhnen.
Unterm Strich muss ich aber sagen: Es sieht eher so aus, als würde die Ära ProFont noch einige Jahre weitergehen.

Oh, und noch eins: Versucht gar nicht erst, Menlo ohne Anti-Aliasing zu benutzen. Das ist nämlich ein einziges Grauen. Aber dafür ist er ja auch gar nicht gedacht.

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