The Return of the Glasflasche
Liebe Normbrunnenflasche,
… oder ziehst Du den Namen Brunneneinheitsflasche vor, oder gar Perlenflasche?
Oder darf ich Dich Nobrufla nennen? – Danke!
Also, liebe Nobrufla, ich muss mich bei Dir entschuldigen!
Einige Jahre lang habe ich Dich nun im Laden stehen lassen. Zu verlockend waren
1,5-Liter PET-Flaschen im Sechserpack – meistens sehr günstig zu erwerben, aber vor
allem so schön zu transportieren. Ich bin ja nun keine Mitte Zwanzig mehr, und da muss
man ab und zu schon mal an seinen Rücken denken.
Aber je öfter ich Deine entfernten Verwandten mit nach Hause nahm, desto mehr fielen
Sie mir auf die Nerven.
Das hängt natürlich damit zusammen, dass ich Mineralwasser mit Kohlensäure bevorzuge. Mal ehrlich, wenn ich ein stilles Wasser haben möchte, kann ich auch zum Wasserhahn im Badezimmer gehen – aber das ist ein anderes Thema. Die PET-Flaschen verlieren dies’ kostbare Gas aber viel zu schnell. Weil es herausdiffundiert, wie Wikipedia sagt. Ein schönes Wort. Muss ich mir merken. Vor allem aber auch, weil die Dinger ja mehr als doppelt so viel Inhalt fassen wie Du. Mindestens das letzte Drittel in der Flasche enthält dann nur noch eine vage Andeutung von Kohlensäure. Bäh.
Und ich hatte immer öfter das Gefühl, dass sich das Wasser in den PET-Flaschen auch
geschmacklich verändert, einen unangenehmen Beigeschmack bekommt. Nicht erst,
wenn die Flasche seit Wochen in der Ecke stand – Du weißt schon, zwischen der Kommode
im Flur und der Badezimmertür –, sondern ebenfalls kurz nach Öffnen des Behältnisses.
Hab ich mir das nur eingebildet? Gut möglich. Das bestreite ich gar nicht.
Aber wie das so ist mit der Einbildung: Man wird sie nicht mehr los. Man kann sich tausendmal sagen: Das ist gar nicht so, wie Du denkst. Das ist nur ein Hirngespinst. Eine Sinnestäuschung. Du hast Hallus. Einen Knall. Einen Haschmich und einen Vogel. Den Schuss nicht gehört. Du bist verrückt, behämmert, minderbemittelt, töricht, bekloppt. Vielleicht gar imbezil, obgleich ich dieses Wort in meinem gesamten Leben noch nicht gehört, sondern nur soeben ergooglet habe, weil mir die Synonyme ausgegangen sind.
Wo war ich? Ach ja: Das nützt alles nix. Man kann sich das alles vorbeten, und dann schüttet
man noch etwas Wasser ins Glas, nimmt einen Schluck und denkt: »Gott, schmeckt das beschissen.«
Der Glaube ist halt stärker als der Intellekt, jedenfalls manchmal und bei mir ganz offensichtlich
besonders dann, wenn es um Mineralwasser geht.
Und so kam es, liebe Nobrufla, dass ich reumütig zu Dir zurückgekehrt bin. So viel teurer bist Du auch gar nicht, wenn man Dich mit dem richtigen Inhalt nimmt, der in unserem Fall praktischerweise auch noch aus einem ortsansässigen Brunnen stammt und daher, ganz umweltfreundlich, lange Transportwege unnötig macht.
Nun schmeckt mir das Wasser wieder; und dafür danke ich Dir. Im Gegenzug schleppe ich, vom Getränkemarkt kommend, gerne mal zwei Deiner vergleichsweise schweren Kästen in den Keller und einen in die Wohnung. Und tausche sie nach ein paar Tagen aus. Natürlich stöhne ich dann: Verdammt, ist es schon wieder soweit? Ist diese vermaledeite Schlepperei schon wieder nötig?
Aber, hey, wenn ich das nicht tun würde, hätte ich ja gar nichts mehr zu meckern.
Und das kann ja keiner wollen.
P.S.: Und entschuldige, Du Gute, dass ich Dich nicht selbst fotografiert habe.
Du bist zwar wirklich ein Model, wie es im Buche steht: Tolle Figur; hältst still,
bis man den Auslöser gedrückt hat; Dein Alter – immerhin 40 Jahre – sieht man Dir nicht
an; und vor allem quatscht Du einem nicht in die Arbeit.
Aber ich bin nun mal kein guter Fotograf und schlechte Bilder wird es hier im Blog
noch zu Genüge geben. Also habe ich mich für die Verwendung des Bildes
Normflasche-1.jpg
aus Wikimedia Commons von Rainer Zenz entschieden,
welches unter der
Creative Commons
»Namensnennung-Weitergabe
unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland«-Lizenz lizenziert ist.
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