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Papyrus – ein kleiner Überblick

Papyrus ist also ein Office-Programm und kann das, was man im Büro so braucht – die auf dieser Seite genannten Funktionen sind also nicht unbedingt spektakulär. Dennoch will ich sie aufzählen, einfach um zu zeigen, dass man auch mit Papyrus das machen kann, was man von anderen Programmen kennt. Und teilweise geht Papyrus sogar über die bekannten Standard-Features hinaus...
 

Formatvorlagen

Papyrus beherrscht Absatz-Formatvorlagen und Textstil-Formatvorlagen, die benannt und in einem Dokument beliebig häufig verwendet werden können.
Zur Klärung der Begriffe (obwohl sie ja eigentlich selbsterklärend sind): Textstil-Formatvorlagen beziehen sich auf den die Eigenschaften des Textes, also den Font, die Punktgröße, die Schriftfarbe etc., während Absatz-Formatvorlagen u.a. die Abstände des Absatzes zum linken und rechten Seitenrand, zum vorhergehenden und folgenden Absatz regeln sowie für die Gliederung des Textes (Überschrift, normaler Fließtext...) zuständig sind.

Der Anwender entscheidet selbst, welche Eigenschaften in die Formatvorlagen übernommen werden; so kann ein Schriftsatz zugeordnet werden, während die Punktgröße nicht Bestandteil der Vorlage ist.
Textstil- und Absatz-Formatvorlagen lassen sich kombinieren, damit z.B. alle Absätze des Formats Überschrift stets mit den gleichen Textstilen ausgestattet ist.

Natürlich sind Ausnahmen von den Formatvorlagen zugelassen, um etwa einzelne Wörter besonders hervorzuheben. Ebenfalls lassen sich Texte auch mit völligem Verzicht auf Formatvorlagen bearbeiten (wovon ich aber, abgesehen von ganz kurzen Texten, stets dringend abrate; egal, ob man nun mit Papyrus oder einem anderen Programm arbeitet).

Formatvorlagen sind auf Wunsch auch global gültig: Wenn man die Eigenschaften einer globalen Formatvorlage ändert, wirkt sich die Änderung beim nächsten Laden auf alle Dokumente aus, die diese globale Vorlage benutzen.
 

Textgliederung

Selbstverständlich kennt Papyrus hierarchisch gegliederte Überschriften und kann automatisch ein Inhaltsverzeichnis erstellen, was auf Wunsch mit Hyperlinks versehen wird: Ein Klick auf die Kapitelüberschrift im Inhaltsverzeichnis springt direkt zum entsprechenden Kapitelanfang im Text. Querverweise auf andere Textstellen oder auch Bilder und Tabellen sind genauso möglich Aufzählungslisten mit Strichen oder Bullets – alles übrigens auch sehr hilfreich, wenn man den HTML-Export nutzen will.
Kopf- und Fußzeilen lassen sich dynamisch gestalten (so dass der Titel des aktuellen Kapitels angezeigt wird), und auch mit Fußnoten kommt Papyrus problemlos zurecht.
 

Tabellen und Kalkulationen

Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, aber als ich vor mehreren Jahren auf Papyrus umgestiegen bin, habe ich mich über die Tabellen besonders gefreut – die Textverarbeitung, die ich davor genutzt habe, hinkte in diesem Bereich ziemlich hinterher...
Tabellen sind in Papyrus frei gestaltbar: Die Trennlinien lassen sich in diversen Strichstilen, -stärken und -farben einstellen, auch »teilweise«, also nur zwischen zwei bestimmten Feldern, genauso lassen sich Hintergrundfarbe und -muster für einzelne Felder einstellen. Der Text eines Feldes läßt sich in 90°-Schritten drehen und bleibt dabei voll editierbar.

Innerhalb der Tabellen bietet Papyrus diverse Rechenfunktionen – eine für viele Zwecke völlig ausreichende Tabellenkalkulation ist somit direkt in den Textverarbeitungsteil von Papyrus integriert. Neben den Grundrechenarten stehen u.a. auch Statistik-Funktionen und if-then-Bedingungen bereit. Referenzen können sich nicht nur auf die aktuelle, sondern auch auf andere Tabellen beziehen – sogar auf Tabellen aus anderen, nicht geöffneten Dokumenten.

In Hinblick auf die Tatsache, dass Papyrus innerhalb gewisser Grenzen durchaus auch für DTP-Aufgaben zu gebrauchen ist, passt auch der Hinweis, dass selbst professionelle DTP-Programme manchmal keine vernünftige Tabellenverarbeitung haben – schon gar nicht mit Kalkulationsfunktionen...
 

Nonmodale Dialoge

Papyrus arbeitet fast ausschließlich mit nonmodalen Dialogen. Was bedeutet das? Ein nonmodaler Dialog verhält sich wie ein »normales« Dokumentfenster: Man kann auch bei geöffnetem Dialog jederzeit wieder zum Dokument wechseln, ohne dass der Dialog geschlossen werden muss. Die angezeigten Einstellungen im Dialog passen sich »on the fly« der aktuellen Cursorposition an, wobei man die Cursorposition auch ändern kann, während das Dokument im Hintergrund liegen bleibt: In den Papyrus-Versionen für Atari und Windows kann man mit der rechten Maustaste in einem Hintergrundfenster arbeiten, ohne dieses nach vorne zu holen: Cursor positionieren, Blöke markieren, Objekte verschieben... ich vermute, dass eine Zusatztaste in der Mac-Version gleiches auch bei Eintastenmäusen ermöglichen wird.

Papyrus - Nonmodale Dialogboxen
Papyrus: Nonmodale Dialogboxen bleiben auf Wunsch
wie normale Dokumentfenster geöffnet

 

Es wäre natürlich denkbar, dass die Mac-Version eher mit den bekannten »schwebenden Paletten« ausgestattet wird – zumindest für Einstellungen wie Zeichensatz und Farbe, die im Screenshot gezeigt werden. (Papyrus arbeitet allerdings auch in Bereichen mit nonmodalen Dialogen, die normalerweise nicht in schwebenden Paletten untergebracht werden, z.B. bei den Voreinstellungen.)
 

Rein und Raus

Papyrus sichert Texte in einem eigenen Format – aus aktueller Sicht nicht mehr unbedingt das Optimum, aber immerhin: Mit aktuellen Papyrus-Versionen lassen sich auch uralte Papyrus-Dokumente öffnen, auch von Papyrus-Versionen anderer Betriebssysteme. Es kann nicht jedes Office-Paket von sich behaupten, dass das immer problemlos funktioniert hat.
Und bei Papyrus geht's sogar in die umgekehrte Richtung: Spaßeshalber habe ich nochmal Papyrus 5.x installiert und damit ein Dokument aus Papyrus 9.x geöffnet – kein Problem. Dann habe ich ein Dokument gewählt, das Funktionen nutzt, die in Papyrus 5 noch gar nicht zur Verfügung standen (Rechnen in Tabellen): Ein Warnhinweis hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Datei aus einer neueren Papyrus-Version stammt, und anschließend wurde das Dokument problemlos geladen – und in der Tabelle wurden sogar die richtigen Ergebnisse der Rechnung angezeigt, obwohl diese Version selbst ja gar nicht rechnen kann.

Das ist auf den ersten Blick vielleicht nicht so relevant (selbst ich kenne keinen, der noch mit Papyrus 5 arbeitet), zeigt aber doch, dass das Papyrus-Dokumentformat sauber aufgebaut und vorausschauend entwickelt wurde. Abermals kann ich mir den Hinweis nicht verkneifen, dass andere (und viel größere) Firmen in dieser Hinsicht nicht selten »geschludert« haben...

Wie dem auch sei, ab und zu muss man ja auch Dokumente mit den Besitzern anderer Textverarbeitungen austauschen: Papyrus importiert RTF- und MS-Office2000-Dokumente weitgehend problemlos.
»Weitgehend«?
Ja, auch mir sind schon MS-Word-Dokumente untergekommen, die Papyrus nicht laden konnte. Aber diese Dokumente konnten oft nicht einmal von Programmen geladen werden, dessen einziger Sinn und Zweck darin besteht, Worddokumente zu öffnen. Mit derartigen Ärgernissen muss man wohl offensichtlich leben, wenn man sich entschieden hat, nicht mit dem Marktführer der Office-Programme zu arbeiten. Wobei es übrigens auch vorkommen kann, dass Papyrus ein altes Worddokument lädt, während aktuelle Wordversionen selbiges verweigern – ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Beim Export setzt Papyrus auf RTF (Rich Text Format), das von allen gängigen (und den meisten nicht so gängigen) Textverarbeitungen unterstützt wird. Dabei kann man zwischen verschiedenen Zeichenbelegungstabellen wählen, wodurch Sonderzeichen wie die deutschen Umlaute auf allen Plattformen korrekt »ankommen« sollten. Und wenn hier jetzt jemand rufen sollte: »Bei RTF hat man doch nie Probleme mit Umlauten« – dann beneide ich diese Person um das Glück, das sie bisher hatte...
Die Zeichenbelegung kann auch für den RTF-Import verwendet werden.

Darüber hinaus beherrscht Papyrus, wie schon angedeutet, den Im- und Export von HTML und natürlich auch ASCII (abermals mit diversen Belegungstabellen).
 

Weiteres in Kurzfassung

Papyrus kann Dokument-Vorlagen verarbeiten – Musterdokumente für Briefe, Facharbeiten etc.
Serienbriefe lassen sich komfortabel über den integrierten Datenbank-Teil von Papyrus erstellen.
Formulare mit vordefinierten Eingabefeldern sind ebenso zu realisieren wie Stichwortverzeichnisse oder Platzhalter für das aktuelle Datum, die Seitenzahl oder den Dateinamen; Textmakros und Dokumentbausteine erleichtern den Umgang mit immer wiederkehrenden Floskeln und Textabschnitten.
Den DTP-Funktionen ist ein eigener Abschnitt gewidmet.

Die Rechtschreibkorrektur mit den geschlängelt-unterstrichenen Wörtern ist so gefällig, dass sie prominente Nachahmer gefunden hat – tatsächlich gibt es das in Papyrus schon länger als beim Marktführer.
Und da wir gerade bei Funktionen sind, die erst viel später kopiert werden, gehen wir auf der nächsten Seite mal etwas näher auf die diskontinuierliche Blöcke ein...
 

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Hinweis:
Die Screenshots in diesem Artikel stammen aus der Atari-Version 9.x von Papyrus. Irgendwann werde ich sie vermutlich auch mal durch Bilder aus der MacOSX-Version ersetzen...
Im Artikel beschreibe ich den Funktionsumfang der Atari-Version 9.x – bisher hat mir einfach die Zeit für eine Überarbeitung gefehlt. Aber ich werde die Gelegenheit nutzen, auch in dieser Hinsicht den Artikel noch einmal zu überarbeiten...
Im Moment sind die Informationen auf dieser Site auf jeden Fall etwas veraltet, ich bitte dies zu berücksichtigen.

 

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