tobiasjung.net

DTP mit Papyrus

DTP: »Desktop Publishing«
Bezeichnung für Programme, mit denen man zu druckende Dokumente layouten kann, wobei die freie Gestaltung im Vordergrund steht. Heutzutage entsteht das Layout nahezu aller Zeitungen und Zeitschriften mit DTP-Programmen.

Nein, Papyrus ist kein professionelles DTP-Programm und will das auch gar nicht sein.
Aber für den kleinen bis mittleren Bedarf kann Papyrus durchaus seine gestalterischen Dienste leisten.
 

Stammseiten

Zunächst einmal ist da das flexible Stammseiten-Konzept: Man innerhalb eines Dokuments beliebig viele Vorlage-Seiten verwenden, die ein bestimmten Layout vorgeben. Zum Beispiel können die ungeraden Seiten im Seitenzahlbereich 1 - 7 zweispaltig gesetzt werden, während die geraden Seiten dreispaltig sind. Ab Seite 8 bis 14 sollen dann alle Seiten dreispaltig sein, und ab Seite 15 sind dann die geraden Seiten einspaltig und die ungeraden zweispaltig...
 

Grafikobjekte

Selbstverständlich lassen sich Bilder in diversen Formaten einfügen, die auf Wunsch direkt im Dokument gesichert werden (oft nützlich, wenn man das Dokument weitergeben will); alternativ merkt sich Papyrus nur den Pfad zum Bild auf der lokalen Festplatte – das hält das eigentliche Dokument klein und ist zu empfehlen, wenn die Bilder noch bearbeitet werden sollen.
Sofern man sich für die Speicherung im Dokument entscheidet, verwendet Papyrus intern das PNG-Format, welches eine verlustfreie Sicherung bei guten Kompressionsraten garantiert.
Neben Pixelgrafiken lassen sich auch Vektorgrafiken importieren (jeweils in dem vom Betriebssystem unterstützen Format, also GEM unter TOS, WMF unter Windows und auf dem Mac wird's dann wohl PICT). Weiterhin kann Papyrus eigene Vektorobjekte (Kreise, Rechtecke, Linien) und frei positionierbare Textobjekte anlegen.
Im Mehrspaltensatz sind die einzelnen Spalten übrigens im Grunde nichts anderes als Textobjekte, denen Papyrus erst einmal eine bestimmte Position und Größe (abhängig von den gewünschten Einstellungen) vorgibt – nachträglich lassen sich aber auch die Spalten einzeln frei arrangieren, natürlich unter Beibehaltung des Textflusses.

Besonders interessant sind an dieser Stelle die Verankerungsmöglichkeiten in papyrus, die (auf Wunsch) dafür sorgen, dass eingefügte Objekte mit dem Haupttext »mitschwimmen«: Die umfangreichen Optionen sollten eigentlich keine Wünsche offen lassen.


Der Verankerungs-Dialog in Papyrus.
Bei Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster,
das weitere Optionen dieses Dialogs zeigt.

Bei Grafikobjekten lässt sich einstellen, welchen Abstand sie zum umfließenden Text haben sollen – die o.g. Textobjekte können diese Umfluss-Einstellung optional ignorieren (nützlich für Bildbeschriftungen).
Echter Kontursatz ist mit Papyrus nicht möglich – so etwas kann meiner Meinung nach auch ruhig den Profi-Programmen vorbehalten bleiben. Zur Not greift man halt zu einem kleinen, altbekannten Trick...


Kontursatz mit Trick.
Bei Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster,
das zeigt, wie der Trick funktioniert.

Ein mitten im Text positioniertes Objekt kann allerdings nicht beidseitig umflossen werden – mancher mag das als Nachteil empfinden; ich als unverbesserlicher Typochonder begrüße es, dass papyrus diese Unsitte gar nicht erst erlaubt (Ausnahme: Ein Bild, das zwischen zwei Textspalten positioniert wird).
Da wir gerade beim Thema sind...
 

Typographisches

Vor mehreren Jahren bin ich von meiner damaligen Atari-Textverarbeitung That's Write auf Papyrus umgestiegen – es gab mehrere Gründe, doch der eigentliche Auslöser war mehr oder weniger eine Kleinigkeit:
That's Write hat die Kerning-Informationen diverser Fonts nicht richtig ausgewertet. Und das habe ich als echtes Manko empfunden – genauer gesagt, empfinde ich das noch heute als echtes Manko; aber ich hoffe doch, dass es kein halbwegs aktuelles Textverarbeitungsprogramm mehr gibt, das ohne Pairkerning daherkommt...

Papyrus wertet die Kerning-Informationen der verwendeten Fonts also korrekt aus.
Aber es gibt auch eine komfortable Microspacing-Funktion, die nicht nur für so Spielereien nützlich sind, wie sie im unten gezeigten Screenshot zu sehen sind:
Typographie-Freunde wissen, dass man sich (gerade bei hohen Punktgrößen) absolut nicht immer darauf verlassen kann, dass die Buchstabenabstände den eigenen Qualitätsansprüchen genügen. Hier ist ein sorgfältiges Ausgleichen von Hand angebracht – und es ist schön, dass Papyrus dies auf sehr komfortable Weise ermöglicht.


Microspacing in Papyrus
Bei Klick auf das Bild öffnet sich ein neues Fenster
mit näheren Informationen.

 

Sonstiges

Das ist aber noch nicht alles, was Papyrus in Sachen Layout zu bieten hat.
Magnetische Hilfslinien erleichtern das Positionieren der Objekte mit der Maus – wer das lieber per Eingabe numerischer Werte erledigt, wird ebenfalls fündig.
Frei definierbare Papierformate machen ein eigenes Programm für den Etikettendruck überflüssig.
Wer ein kleines Heft erstellen möchte, freut sich über den Broschürendruck: Zunächst bedruckt man die Vorderseiten des DIN A4-Papiers, dann die Rückseiten; und dann muss man die Seiten nur noch falten und zusammenlegen – und schon ist das DIN A5-Heft fertig, denn um die richtige Verteilung der Seiten kümmert sich Papyrus ganz von selbst. (Das funktioniert entsprechend natürlich auch mit einem DIN A4-Heft, wenn man einen A3-Drucker hat...)
Genauso sind Poster in übergröße möglich: Papyrus verteilt eine Posterseite auf mehrere Blätter und versieht die Kleberänder direkt mit der Information, welches Blatt an welcher Stelle angeklebt werden muss.
Und um noch einmal kurz zum Thema »Typographie« zu kommen: Heutzutage enthalten Fonts oft weit mehr Zeichen, als über die Tastatur zu erreichen sind – papyrus bietet einen eigenen Dialog, in dem man sich das gewünschte Zeichen einfach herausklicken kann.
 

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Papyrus durchaus als Layout-Programm dienen kann.
Es ersetzt selbstverständlich kein Profi-Programm wie InDesign, QuarkXPress Calamus; aber Vereins- und Schülerzeitungen, Gruß- und Einladungskarten und andere Dokumente der DTP-»Mittelklasse« lassen sich einfach und flexibel gestalten.
(Und ich kann mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass Papyrus bereits die freie Gestaltung kannte, als andere Programme schon von DTP sprachen, wenn sie nur mehrspaltig setzen und Bilder einfügen konnten...)

Nächste Seite:  weiter Papyrus – HTML-Verarbeitung || Vorherige Seite: Papyrus – Diskontinuierliche Blöcke
 

Hinweis:
Die Screenshots in diesem Artikel stammen aus der Atari-Version 9.x von Papyrus. Irgendwann werde ich sie vermutlich auch mal durch Bilder aus der MacOSX-Version ersetzen...
Im Artikel beschreibe ich den Funktionsumfang der Atari-Version 9.x – bisher hat mir einfach die Zeit für eine Überarbeitung gefehlt. Aber ich werde die Gelegenheit nutzen, auch in dieser Hinsicht den Artikel noch einmal zu überarbeiten...
Im Moment sind die Informationen auf dieser Site auf jeden Fall etwas veraltet, ich bitte dies zu berücksichtigen.

 

Navigation
Startseite
Blog
Schnupftabak
Mac-Soft
Profont DL