Papyrus und HTML
Papyrus kann HTML importieren und exportieren.
In mancherlei Hinsicht könnte diese Funktion – meiner Meinung nach – ruhig etwas
leistungsfähiger sein. Andererseits gibt Papyrus hier aber auch ein besseres Bild ab als
vergleichbare Programme. Sehen wir uns das mal näher an.
Allgemein
Papyrus ist eine Textverarbeitung, die HTML verarbeiten kann. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Wer nun ein komplexe Webseite basteln möchte und dafür auf Papyrus zurückgreift,
hat meiner Meinung nach einfach das falsche Tool gewählt – was übrigens
entsprechend für alle Textverarbeitungsprogramme gilt.
Was hat HTML dann überhaupt in einer Textverarbeitung zu suchen? Ist das nur ein nettes
Feature für den Werbekatalog ohne echten Mehrwert? – Nein.
Wer nur eine kleine Webseite braucht, keine gehobenen Ansprüche an das Layout stellt
und sich nicht tiefer in die Materie des Webdesigns einarbeiten möchte, kann durchaus auch auf
eine Textverarbeitung zurückgreifen, und in diesem Fall ist Papyrus meiner Meinung nach
durchaus besser geeignet als so mancher Mitbewerber.
Außerdem muss HTML ja nicht immer nur fürs Web gedacht sein:
Wenn man ein Dokument erstellen will, das plattformübergreifend am Bildschirm lesbar ist,
tut man gut daran, sich für HTML zu entscheiden. Ich denke beispielsweise an
Handbücher für Anwendungsprogramme – mit Papyrus kann man auf einfache Weise
aus einem Quelldokument sowohl eine Druckversion, als auch eine HTML-Version
(die dann dem Downloadarchiv beiliegt) erstellen.
HTML-Formatierung
Generell kann man sagen, dass der von Papyrus erzeugte Code der HTML-Version 3.2 entspricht,
allerdings sind auch einige Elemente von HTML 4 enthalten. In meinen Augen ist der größte
Nachteil dabei, dass Cascading Style Sheets (CSS) überhaupt nicht unterstützt werden.
Das ist schade, denn mit dem Konzept von Textstil- und Absatz-Formatvorlagen arbeitet Papyrus intern
eigentlich eh schon immer mit einem System, das CSS sehr nahe kommt.
Textformatierungen exportiert Papyrus also mit den alten <font>-Tags. Das wäre in meinen Augen ein echter Nachteil – aber glücklicherweise bietet papyrus auch die Option, ein HTML-Dokument ganz ohne Font-Zuweisungen zu exportieren.

Papyrus – Voreinstellungen für
den Export von HTML-Textstilen
Man kann also festlegen, ob Papyrus Fontdefinition immer exportiert (was auf etliche
<font>-Tags hinausläuft), oder niemals (kein einziges <font>-Tag), oder
in Abhängigkeit vom Textstilformat: So könnten Überschriften mit, »normaler«
Text hingegen ohne Fontdefinitionen exportiert werden.
Ich selbst ziehe es vor, auf den Export von Fontzuweisungen zu verzichten. Statt dessen lege ich in den HTML-Kopfdaten einen Verweis auf eine externe CSS-Datei an:

Papyrus – Verweis auf externe CSS-Datei
Mit dieser Vorgehensweise kann man CSS immerhin schon auf Standard-HTML-Elemente wie
p, h1, td, strong usw. anwenden.
(Nur ganz nebenbei: Sofern es möglich ist, sollte man Styles in erster Linie ohnehin für
Standard-HTML-Elemente anwenden und nur, wenn es gar nicht anders geht, auf Klassen
zurückgreifen...)
Desweiteren erlaubt Papyrus Tags einzufügen, die das Programm selbst nicht beherrscht; im
Zusammenhang mit CSS sind hier vor allem div und span interessant.

Papyrus – Unbekannte HTML-Tags einsetzen
Somit lässt sich die CSS-Schwäche von Papyrus schon relativ gut umgehend. Leider
muss gesagt werden, dass Konstrukte wie <p class="beispiel"> in der
mir vorliegenden Papyrus-Version nicht möglich sind: Das Papyrus Absatz-erzeugende Element
<p> legt Papyrus automatisch an, und leider lassen sich hier keine weiteren
Attribute hinzufügen.
Tabellen und Frames
Frames unterstützt Papyrus überhaupt nicht. Das sehe ich allerdings kaum
als Nachteil: So ist seit einiger Zeit zu beobachten, dass Frames ohnehin immer seltener
im WWW eingesetzt werden. Vor allem aber: Die Bestandteile eines Framesets,
die einzelnen Dateien also, kann man selbstverständlich mit Papyrus bearbeiten.
Nur die Datei, die das Frameset definiert, muss man ggf. mit einem anderen Programm erstellen;
und dafür reicht ein simpler Texteditor (selbst mit rudimentären HTML-Kenntnissen
hat man eine solche Datei in wenigen Minuten fertig).
Eine Textverarbeitung muss meiner Meinung nach auch nicht mehr können.
Etwas schwerer wiegt da schon das Manko, das Papyrus keine verschachtelten
Tabellen verarbeiten kann (also eine komplette Tabelle innerhalb der Zelle einer
übergeordneten Tabelle).
Zwar ist der Hinweis in der Papyrus-Anleitung, dass man meistens auch mit einer
Tabelle hinkommt, nicht ganz falsch – verbunde Zellen (colspan und rowspan
in der HTML-Syntax) beherrscht Papyrus nämlich sehr wohl –, aber wenn man eine
»fremde« Internetseite lokal gespeichert hat, um sie mit Papyrus nachzubearbeiten
und auszudrucken, so hat man ein Problem, wenn diese Seite mit verschachtelten Tabellen arbeitet.
Auch bei den Tabellen ist es etwas schade, dass Papyrus nicht mit CSS arbeitet:
Die Trennlinien der Tabelle lassen sich in Papyrus flexibel gestalten; es ist kein Problem, wenn
z.B. die eine Zelle unten mit einer gestrichelten Linie abgeschlossen wird, während die
nächste mit einer durchgezogenen Linie versehen wird. Diese Gestaltungsmöglichkeiten
gehen beim HTML-Export verloren, da »pures« HTML so etwas nicht vorsieht.
Mit CSS hingegen wäre auch das machbar...
Vorteile
Der große Vorteil von Papyrus liegt in Bezug auf HTML im sauberen Code:
Papyrus schreibt keinen »Müll« in den Code – im Gegensatz
zu anderen Textverarbeitungen oder gewissen WYSIWYG-Editoren. Wer schon einmal versuchen
musste, das Code-Durcheinander des Office-Marktführers aufzuräumen, wird diese
Eigenschaft von Papyrus schnell schätzen lernen...
Importierten HTML-Code lässt Papyrus weitgehend unangetastet – unbekannte Tags
werden markiert und können bei Bedarf, wie im Screenshot oben gezeigt, über den
Dialog »HTML-Anweisung einfügen/ändern« bearbeitet werden.
Lässt man sie unverändert, wird Papyrus sie beim nächsten Export so
exportieren, wie sie ursprünglich importiert wurden.
Schön, dass ein Programm mal nicht der Meinung ist, es wüsste besser als ich, was ich
eigentlich mit meinem HTML-Code vorhabe.
Fazit zur HTML-Verarbeitung
Papyrus bietet sehr schöne Möglichkeiten, ein Dokument zu erzeugen, dass gleichermaßen
für den Ausdruck und für eine HTML-Version geeignet ist. Wer nicht über HTML-Kenntnisse
verfügt, kann Webseiten mit schlichter Gestaltung durchaus mit Papyrus erstellen und sich
darüber freuen, dass das Programm einen zwar »altmodischen«, aber sauberen Code
erzeugt.
Auch beim Datenaustausch mit anderen Textprogrammen und anderen Computerplattformen bietet sich
mittlerweile HTML an – hier werden die mit Papyrus erzeugten HTML-Dateien nie ein
Problem darstellen.
Für grafisch aufwendige Webseiten oder für den Web-Profi ist Papyrus
nicht unbedingt geeignet – und das ist gut so:
Eine Textverarbeitung ist eine Textverarbeitung. Sie muss gar kein Tool für den
Webdesigner sein – und wenn sie doch vorgibt, ein solches Tool zu sein, kommt
meistens eh nur grauenhafter Müll dabei raus, wie andere Programme nicht müde
werden zu beweisen.
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Hinweis:
Die Screenshots in diesem Artikel stammen aus der Atari-Version 9.x von Papyrus. Irgendwann werde ich sie vermutlich auch mal durch Bilder aus der MacOSX-Version ersetzen...
Im Artikel beschreibe ich den Funktionsumfang der Atari-Version 9.x – bisher hat mir einfach die Zeit für eine Überarbeitung gefehlt. Aber ich werde die Gelegenheit nutzen, auch in dieser Hinsicht den Artikel noch einmal zu überarbeiten...
Im Moment sind die Informationen auf dieser Site auf jeden Fall etwas veraltet, ich bitte dies zu berücksichtigen.
