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Pepper – der Texteditor (nicht nur) für Macintosh

Achtung: Dieser Artikel ist veraltet und nur noch aus historischen Gründen verhanden. Bis auf das Fazit lasse ich ihn aber erstmal unverändert…

Pepper ist mein persönlicher Lieblings-Editor für den Macintosh – und so verwundert es wohl nicht, dass auch tobiasjung.net komplett mit Pepper entsteht.
Ursprünglich habe ich einfach einen bezahlbaren Editor gesucht, der Syntaxcoloring für HTML und PHP anzubieten hat – was vor allem auch dann noch funktionieren sollte, wenn man innerhalb einer Datei beide Sprachen verwendet.

Zu diesem Zeitpunkt war Pepper der einzige Editor für den Mac, der diese Voraussetzungen erfüllt hat und mir auch ansonsten gefiel. Und mittlerweile habe ich so einige andere Features an Pepper schätzen gelernt, so dass ich ihn nun nicht mehr missen mag...
 

Historisches

Ein kleiner Überblick über die etwas verwirrende Geschichte von Pepper:
Vor einigen Jahren stieg ein Herr namens Maarten Hekkelman (Hekkelman Programmatuur) vom Mac auf BeOS um und hat dort einen Editor vermisst, der ihm so gut gefiel wie BBEdit. Also schrieb er sich seinen eigenen Editor und nannte ihn Pe.
Später aber wechselte er wieder auf den Mac, portierte sein Programm und nannte es fortan Pepper.

Im Jahr 2002 erschien Pepper 4.0, aber nicht nur für den Mac, sondern auch für Windows und UNIX X11. Das Ganze wurde aber ein bisschen viel Arbeit, und so entschloss sich Herr Hekkelman kurzerhand, die Weiterentwicklung einzustellen.
(Die genauen Gründe für diesen Schritt sind in einem Interview nachzulesen.)

Glücklicherweise entschieden sich Digital Wandering, Pepper fortzuführen. Ein bisschen viel Arbeit war die Sache aber immer noch, und so einigte man sich auf folgenden Schritt:
Hekkelman Programmatuur kümmerten sich fortan um die Windows- und UNIX-Versionen von Pepper, während Digital Wandering für die Mac-Versionen (MacOS 9 und OS X) zuständig sind. Letztere basieren aber nicht auf der Version 4.x, sondern auf v3.6, offensichtlich weil diese Sourcen als echtes Mac-only Produkt leichter zu pflegen waren.

Anfang 2004 gab's dann abermals eine Änderung: Maarten Hekkelman entschied sich nun doch wieder, Pepper gar nicht mehr weiterzupflegen, Digital Wandering benannten sich in Slack Solutions um und übernahmen auch die Windows- und UNIX-Versionen von Pepper.
Zumindest nominell, denn leider muss derzeit (Anfang Mai 2004) festgestellt werden, dass diese Übernahme noch nicht in einer neuen Pepper-Version resultiert ist.

Alles klar? ;-)
 

Basisfeatures

Wie gesagt, unterstützt Pepper Syntaxcoloring, und zwar für ASP, C/C++, HTML, Java, JavaScript, Oberon-2, Perl, PHP, Python, Rez, SQL, TeX... hoffentlich habe ich nichts vergessen. Und wie ebenfalls bereits erwähnt, funktioniert das Einfärben von PHP- und JavaScript-Code auch dann noch, wenn er in HTML-Quelltext eingebettet ist.
Die einzufärbenden Schlüsselwörter kann man übrigens selbst editieren – wenn also mal wieder eine PHP-Version kommt, die ein paar neue Funktionen bereithält, kann man diese selbst in die Keywords-Liste eintragen und muss nicht auf das nächste Update des Editors warten.

Pepper bietet neben automatischem Einrücken auch die sog. »Smart Indenting Braces«:
Man öffnet eine geschweifte Klammer {, tippt Return – und in die folgenden Zeile wird um eine Tab-Weite eingerückt. Natürlich wird auch wieder automatisch ausgerückt, sobald man die Klammer schließt.
Das erspart nicht nur das Tippen von zwei Tasten (Tab beim Ein-, Backspace beim Ausrücken), sondern hilft auch, die Übersicht bei mehrfach verschachtelten Klammerung zu behalten.

Kopieren und Verschieben von Textteilen geht nicht nur über Cut, Copy & Paste, sondern auch per Drag & Drop; Spaltenblöcke sind möglich.
Pepper kann unsichtbare Zeichen (Leerzeichen, Zeilenumbrüche...) und Zeilennummern einblenden, den Text »softwrappen«, Markierungen setzen – also eigentlich alles das, was man von einem vernünftigen Editor erwartet. Auf Tastendruck wird das aktuelle Dokument im Webbrowser dargestellt – nützlich beim Entwickeln von Webseiten.

Offensichtlich oft unterschätzt, da nicht in allen Editoren zu finden, ist die Möglichkeit, eine Kopie des aktuellen Textes unter neuem Namen zu sichern, natürlich ohne dass dabei der Name des aktuellen Dokuments geändert wird.
 

Besonderes

Die wohl auffälligste Besonderheit an Pepper ist der sog. Accelerator: Auf Tastendruck öffnet sich am linken Rand des Dokumentfensters ein halbtransparentes Menü, in dem diverse Funktionen auf Mausklick bereitstehen.

Pepper - Accelerator
Der Accelerator – dieses Bild habe ich aus der Pepper-Doku »geklaut«.
 

Das Schöne daran ist, dass Pepper dem Anwender nicht vorschreibt, welche Funktionen denn nun im Accelerator bereitstehen sollen, denn das läßt sich individuell einstellen.
Überhaupt ist die Konfigurierbarkeit von Pepper eine feine Sache, denn auch sämtliche Tastaturkürzel lassen sich dem Geschmack des Users anpassen – egal, ob es sich nun um Menü-Shortcuts oder Textmakros handelt.
So bremst das komplette Tippen von HTML-Entities anstelle der deutschen Umlaute meinen Schreibfluss zu sehr aus, also habe ich mir entsprechende Kürzel definiert: Das Tippen ctrl-a ergibt so das gewünschte Entity ä. Wer will, kann es sich sogar noch einfacher machen, indem er dem Eintippen von ä das Entity zuordnet – dieses Kürzel kann man dann auch speziell HTML-Dateien zuordnen, denn in »normalen« Textdateien sind die Umlaute ja doch manchmal ganz nützlich...

Da wir eh gerade bei den Umlauten sind: Pepper beherrscht diverse Text encodings, nämlich UTF-8, UTF-16, MacOS Roman, diverse ISO-Latin-Varianten, Windows ANSI, ShiftJIS, Big5 und Little Endian UFT-16. Texte, die in diesen Encodings vorliegen – Windows-User schicken dem geplagten Macianer gerne mal Texte mit Windows ANSI oder ISO-Latin 8859-1 Codierung zu –, kann man in Pepper unter Verwendung aller Sonderzeichen (wie eben den Umlauten) ganz normal bearbeiten und an den Absender zurückschicken, ohne dass es irgendwelche Sonderzeichen-Probleme gibt.
 

Suchen und Ersetzen über mehrere Dateien hinweg kann eigentlich jeder halbwegs vernünftige Editor. Aber Pepper kann dabei auf Wunsch auch Perl-kompatible reguläre Ausdrücke (regular expressions, kurz Regex) verwenden – und seit ich mich daran gewöhnt habe, frage ich mich immer, wie ich jemals ohne Regex ausgekommen bin.
(Und wer mit diesem Begriff nichts anfangen kann, findet unter faq-php.de/q/q-regexp-was.html eine Erklärung.)
Weiterhin nützlich ist die Möglichkeit, zwei Dateien miteinander – wer wie ich ständig vergisst, welche Änderungen vorgenommen wurden, wird für dieses Feature sehr dankbar sein.

Natürlich sind sind das noch nicht alle Features von Pepper, aber ich habe ja einen Kurzartikel versprochen. Deshalb noch schnell zu einem anderen Thema...
 

Was Pepper nicht kann

Obwohl sich Pepper als Editor für den Webworker anbietet, mag sich der eine oder andere daran stoßen, dass Pepper (fast) keine »HTML-Assistenten« hat.
Es gibt also keine Tags, die sich automatisch vervollständigen; kein PopUp-Menü, welches die möglichen Attribute eines HTML-Elements auflistet... und wisst Ihr was? Das stört mich nicht im geringsten!
Ich habe mal mit einem Windows-Editor gearbeitet, der ständig ein solches Menü für Attribute geöffnet hat, und nach 10 Minuten habe ich gesucht, wie man das abschalten kann. Ich fand nicht einmal, dass die Sache Zeit spart, schließlich hat man sowas auch schnell eingetippt...

Als Trost gibt es zwei Extensions, die häufig gebrauchte HTML-Konstrukte mit Hilfe einer netten kleinen Dialogbox einfügen können; nämlich für Grafiken und Verweise. Befindet sich der Cursor innerhalb eines solchen Tags, so wird der Dialog direkt mit den entsprechenden Werten gefüllt.

Pepper - HTML-Extension fuer Images
Die HTML-Extension zum Einfügen von Grafiken.
Die Extension für Verweise ist vergleichbar.

 

Fazit

Wie gesagt: Pepper war mein Lieblingseditor. Er war ein wirklich gutes Programm mit nützlichen Funktionen. Wie ich aber an anderer Stelle ausführe, ist Pepper nicht nur eingestellt worden, sondern mittlerweile komplett aus dem Netz verschwunden; ich habe jedenfalls keine Download-Quelle für die letzte Version mehr gefunden.
Schade.

Falls noch jemand mit Pepper arbeitet, empfehle ich einen Besuch auf Erik Sandbloms Pepper Fan Page, mit nützlichen Tips und einem Forum:
eriksrailnews.com/pepper/

 

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